Pianopianissimo, dafür stehen die drei p des mehrdeutigen Ensemblenamens eigentlich und sind doch paradox in Betracht der Heimstatt von Gründer und Stammhaus des 1980 gegründeten und gemeinnützigen PPP-Musiktheater-Vereins. Wagnersche Alliteration ist diese Breviatur und quasi unaussprechbar im Frankenland, dessen Dialekt-Phonetik ja nur stimmhafte Konsonanten kennt.

In seiner bitterbösen Satire »Der unbewusste Ahasverus« über Wagners Stabreim sparte wahrscheinlich Fritz Mauthner gerade an Erläuterungen zum Symbolgehalt dieses problematischen Lauts …

Oftmals unaussprechlich sind auch die Themen der seit 1980 vom pianopianissimo musiktheater mit viel Entdeckerenthusiasmus und Erfindungsreichturn kreierten Produktionen und Uraufführungen. Furchtbare Geheimnisse aus symbolistischen Seelenschluchten umwittert die Protagonistinnen in Franz Schrekers » Flammen« und Peter Cornelius »Gunlöd« ist auch ein eher problematisches Wesen — Ausgrabungen, mit denen das bis vor wenigen Jahren in München, jetzt in Berlin ansässige Unternehmen auch in den Pocketräumen der großen Hamburger und Berliner Opernhäuser wie im Wiener Konzerthaus gastierte.

Hinzu kamen Uraufführungen, die im weitesten Sinne Leben und Werk des Bayreuther Meisters makaber-sinnlich, auch galgenhumorig zueinander in Beziehung setzten — garniert mit öffentlichen Uraufführungen von Gelegenheitspiecen des Salonlöwen Wagner. Zu den Hausautoren gehören die dichtenden Juristen Herbert Rosendorfer mit der auch als Hörspiel bekannten Wagner-Bellini-Commedia »Don Tristano und Donna Isotta« und Bernd Schünemann mit der biografischen Arabeske »Richard Wagners letzte Liebe«.

In den letzten Jahren dehnten sich die Aktivitäten des pianopianissimo musiktheaters weiter aus auf nicht minder abgelegenes (Früh-)Romantisches, Operettiges und Modernes, seltener auch Gefälliges in eigenen Bearbeitungen: eine quirlige »Fledermaus« etwa oder Menottis »Telephon«-Operncomedy als » Lamour à trois«.

Sachwalter von zu Unrecht Vernachlässigtem ist konsequent der Gründer und Leiter Peter P. Pachl (s. o. zur Alliteration) und trotzt den damit verbundenen Verbreitungs- schwierigkeiten. Nach der deutschen Erstaufführung von Judith Weirs » Heaven Ablaze In His Breast« nach E.T.A. Hoffmanns »Sandmann«-Novelle im April ist jetzt — fast 200 Jahre nach der Entstehung — die letzte noch ausstehende Uraufführung einer Oper dieses romantischen Universalgenies in Vorbereitung: »Liebe und Eifersucht«, ein musikalisch zukunftsweisendes Stück nach Calderon in konventioneller Singspiel-Form, könnte aller Voraussicht nach als Gastspiel viele Festival-Programme wirkungsvoll bereichern. Zuvor kam im traditionellen Stammhaus Pflaums Posthotel (in) Pegnitz (zur Alliteration s.o.) Oscar Straus » Der tapfere Kassian« heraus.

Von Jugend auf begeistert sich Pachl für das nachwagnerische Musiktheater, die Märchenoper und die neoromantischen Postmodernen. Neben seinen Pioniertaten für das Opernschaffen Siegfried Wagners in Rudolstadt, Hagen und zuletzt in Köln hat er noch eine beachtliche Projektreihe in Planung. Mit dem musikalischen Leiter Frank Strobel holte er zuletzt den Bühnenbildner Peter Sykora und in den vergangenen Jahren Sängerdarsteller wie Eugen Procter und Lesley Bollinger, zu hören auch in der CD-Einspielung der ppp-Uraufführung von Schrekers » Flammen« bei Marco Polo.

Dabei erhält der Verein seit Jahr und Tag keinen Pfennig bzw. Cent aus öffentlichen Mitteln. Gastspieleinnahmen und Sponsorengelder fließen in Ausstattung und Werbung. Alle Mitwirkenden sind auch Mitglieder des Vereins, in dessen Statuten die Nachwuchsförderung ganz obenauf steht.

Das pianopianissimo musiktheater hat mit Pflaums Posthotel in Pegnitz ein außergewöhnliches, nahezu fürstliches Stammhaus. Geschäftsführer Günther Pflaum gewährt dem kompletten Ensemble und Stab vor allen Neuproduktionen etwa zwei Wochen freie Kost und Logis und überdies den Veranstaltungssaal als Proben- und Aufführungsraum.

Die Vorstellungen umrahmt er mit speziellen Menu-Kreationen, nach kürzeren Werken folgen noch spätabendliche Vokalprogramme. Dabei setzt Pflaum, der bei diesen Projekten keinen kommerziellen Gewinn erwarten kann, auf die konstruktive Begegnung seiner vermögenden Klientel mit den Künstlern, verspricht sich Synergieeffekte zwischen Business und Kultur. Möglich ist das durch die Nähe zu Bayreuth (etwa 25 km), auch die Künstler des von Rügen in die Markgrafen-Stadt umgezogenen Rossini-Festivals Canto Bayreuth logieren und proben in Pegnitz.

Das pianopianissimo musiktheater hat da schon seit Jahren ein für das ungewöhnliche Werkangebot aufgeschlossenes Publikum. Schwere Kost ist auch eines der nächsten Vorhaben. Für Max Reinhardt hatte Engelbert Humperdinck eine umfangreiche symphonische Schauspielmusik zu Karl Vollmoellers Mysterium » Das Mirakel« komponiert, das in einer Kammerfassung herauskommen soll. Damit kehrt das pianopianissimo musiktheater zu seinen Wurzeln zurück. Mit dem Schwerpunkt spätromantische Oper leistete es einen keineswegs unbedeutenden Beitrag zur Renaissance dieser noch vor einigen Jahren vernachlässigten Werke.

Zudem ließe sich den Autoren des im Schatten des Grünen Hügels projektierten Richard-Wagner-Musicals gut raten, etwa die ppp-Eigenkreation »Cosima Notte oder Notre Dame de Bayreuth« über die Grals- und Sittenwärterin Cosima gut zu studieren: wie in den schaurig-schönen Fin-de-Siècle-Endspielen liegen hier Parodie und echtes Pathos dicht beieinander.

Roland Dippel, Bayerische Staatszeitung, 16. August 2002


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